fbpx
production de 15 11.208140 49.465960 / arrow 1 arrow 1 1 Your e-mail has been sent! A problem has occured. Please try again. NEW HOT SALE cookie-true 600

Auf Tour durch Draculas Reich

Nicht nur in den Alpen bietet Europa erstklassige Skitourengebiete. Im Winter 2016 haben die Marmot PRO Athleten Lisa Horst und Louis Münzhuber in den Rumänischen Karpaten die Tourenfelle angelegt und Transsilvaniens steile Flanken erkundet. Ein Trip abseits des Mainstreams –zwischen Hochgefühlen und schauerndem Gruseln.

Es sind an diesem Abend kaum Menschen in der Cabana Paltinu. Der Wind rüttelt an den Türen, Böen knallen gegen die Fenster. Durch spärlich beleuchtete, holzvertäfelte Flure geht es in den Speisesaal. Keiner da. Plötzlich Schritte. Eine Tür knarrt. Unheimlich! Eine Szene wie aus „Shining“ oder einem dieser unsäglichen Dracula-Verfilmungen. Die Schritte kommen näher. Die Schwenktür zur Küche springt auf. Es ist … der Ober. Puh! Manchmal ist die Realität eben doch harmloser als die Fantasie. Doch abgelegen und verwegen genug ist das Paltinu, um an einsamen Winterabend schräge Gedanken aufkommen zu lassen. Einst logierten Nicolae Ceauşescu und seine Gemahlin Elena hier, wenn der Diktator bei der Gämsenjagd entspannen wollte. Gut, dass endlich Gesellschaft kommt.

Ein paar Minuten später sitzen Lisa, Louis und Tim mit am Tisch. Bereits seit ein paar Tagen haben die drei bei kleinen Erkundungstouren die Gegend um den Bergsee Bâlea Lac ausgekundschaftet. „Das sind hier Hänge wie in den Hochlagen am Arlberg“, schwärmt Tim. Die Gipfel rund um den Lacul Bâlea sind die höchsten der Südkarpaten. Bis gut 2500 Meter ragt der Hauptkamm auf. Er trennt die Provinzen Transsylvanien und die Walachei. Făgăraş nennen die Einheimischen den Gebirgszug. Im Gegensatz zu den Waldbergen der West-, Nord- und Ostkarpaten sind die Gipfelregionen hier felsig und steil, vor allem die Nordseiten. Trotz der imposanten Berge sind Lisa und Louis noch nicht wirklich glücklich mit der Tourenausbeute. „Das Wetter! Sturm, Whiteout, zwischendurch ein paar Wolkenlücken …“ Wie eine Mauer trennt der Hauptkamm kontinentale Kaltluft im Norden von milder Schwarzmeerluft im Süden. Bisweilen eine Hexenküche. Doch nächsten Morgen hat sich der Sturm gelegt. Tim und Lisa spuren hinauf zum Paltinu Grat. Da schiebt sich die nächste Wolkenbank über die Bergschulter. Ein kleines Schneebrett löst sich. Solange die Sicht nicht wirklich gut ist und Schneeaufbau und -struktur nicht klar zu erkennen sind, sind die steilen Nordhänge zu heikel. Rückzug! Zurück zur Hütte. Lageanalyse.

Tour durch den Tunnel

„Wie wäre es mit einem Versuch auf der Südseite der Bergkette?“ schlägt Tim vor. Dorthin gelangt man aber nur über genau jene Nordhänge. Oder …? – Ein Glück, es gibt einen Trick. Ein „Schleichweg“ führt durch den Bâlea Tunnel. Auf Höhe der Cabana Paltinu durchbohrt die im Winter gesperrte Transfăgăraşan im 900 Meter langen Bâlea Tunnel die Transsilvanischen Alpen, wie die Südkarpaten auch genannt werden. Mit jedem hallenden Schritt durch den Tunnel wächst die Hoffnung auf bessere Verhältnisse auf der Südseite. Es ist hell am Ende des Tunnels. Doch am Ende ist es nur ein blendendes, konturloses Weiß – Nebel, Whiteout. Zurück!
Und tatsächlich: Auf der Nordseite warten blauer Himmel und Pulverschnee. Unberührte Hänge soweit das Auge reicht. Jetzt, bei klarer Sicht, ist auch erkennbar, welche Hänge ohne großes Risiko befahrbar sind. Ein weites Couloir zwischen den Gipfeln Paltinu und Vanatoarea hat der Wind fast freigefegt. Die Neuschneeauflage ist hier nur dünn. Noch zwei Stunden bis Sonnenuntergang. Im Nu führt eine Zickzackspur hinauf in eine Märchenwelt aus dick vereisten Felsskulpturen. Ein Stück weiter hängen Vorhänge aus monströsen Eiszapfen von überhängenden Felswänden. Langsam senkt sich die Sonne auf den Grat. In weiten Schwüngen ziehen Lisa, Louis und Tim hintereinander hinab zum See. Zurück zur Lodge.

Firntour nach Sturm und Whiteout

Lisa wärmt ihre Zehen am offenen Kamin im Salon der Cabana Paltinu. „Wenn sich der Schnee noch etwas setzt, ist morgen die erste große Runde drin“, hofft sie. In der Tat hat sich der Schnee am nächsten Tag gesetzt. Doch draußen sieht man die Hand vor den Augen nicht. Windböen mit über 100 Kilometer pro Stunde lassen das Gebälk der Cabana Paltinu ächzen. Es ist, als würde Dracula fauchen. Der Wind peitscht Regentropfen horizontal gegen die Fenster.

24 Stunden später ist er Spuk vorbei. Der Nebelschleier lüftet sich. Und eine gute Stunde nach dem Start ist der Paltinu Gipfel (2399 m) erreicht. Eine Bergkette reiht sich an die nächste. Makellos. Weite Hänge wechseln mit engen Rinnen. Keine Spur soweit das Auge reicht. „Ein Paradies“, strahlt Lisa. Fast. Denn im Tourenparadies wäre der Schnee vermutlich pulvrig und nicht sulzig und schwer wie heute. Doch zumindest scheint die Sonne. Und auch ein paar Genussabfahrten entlang des Gipfelkamms sind drin.

Bei der Rückkehr in die Cabana Paltinu wirkt der Bau weniger einsam. Skitourengruppen aus Deutschland und Frankreich sind heute angekommen.
Mit von der Partie ist Cosmin Andron, ein rumänischer Bergführer. „Gemessen an den Höhenmetern sind unsere Berge kleiner“, gesteht er. „Aber nicht, was den Abenteuerfaktor betrifft. Massentourismus ist hier noch ein Fremdwort. Du kannst tagelang durch die Berge touren ohne eine Menschenseele zu treffen. Auch gibt es weder perfekt ausgeschilderten Wegenetze, noch ein lückenloses Netz an Berghütten, Straßen und Wegen. Wenn eine Schlechtwetterfront aufzieht, fühlst du dich hier auf 2500 Metern wie in den Alpen auf 4000 Metern.“ Gleichzeitig bieten die Flanken der Făgăraş Berge hochkarätige Abfahrten. „In den vergangenen Jahren war am Paltinu sogar ein paar Mal die Freeride World Tour mit Qualifier-Rennen zu Gast“, erzählt Cosmin.

„Wir Rumänen haben ein Herz für Outdoor Sport“, plaudert Cosmin bei einem Bier. „Aber wir haben den Übergang von den staatlich unterstützten Vereinen zum privat organisierten Sport noch nicht ganz geschafft. Langsam jedoch wächst auch hierzulande die Zahl der Skitourengeher.“

Am nächsten Morgen treibt ein böiger Wind wieder graue Wolkenpakete von Südwesten heran. Es beginnt zu schneien. Dicke, nasse Flocken klatschen gegen die Scheiben der Skibrillen. „Egal“, meint Louis, „wir versuchen es.“ Und tatsächlich klart es nach einer Gratwanderung zwischen Hoffen und Bangen etwas auf. Firnige Schneebänder schlängeln sich steil zwischen den Felsriegeln Nordseite des Vanatoarea hinab bis an die Kehren der Transfăgăraşan.

Steile Lines durch einsame Couloirs

„Wow, schöne Lines seid ihr gefahren“, nickt Cosmin beim Abendessen anerkennend. „Ihr müsst wieder kommen, wenn es hier richtig Winter ist.“ Mit Schneehöhen von bis zu zwei Metern bieten die Făgăraş Berge in der Regel die besten Skibedingungen in Rumänien. Lisa und Louis bekommen schon beim Zuhören glänzende Augen. Denn nun wissen sie: Ohne Draculas stürmischen Atem und mit der entsprechend dicken Schneeunterlage sind die Gipfel rund um die Cabana Paltinu genau das, was sie sich erhofft haben: ein Paradies für ambitionierte Freeride-Touren. Als sie sich am nächsten Tag mit einer herzlichen Umarmung von Cosmin verabschieden, steht für sie fest: „Wir kommen wieder, keine Frage!“

Text und Fotos: Christian Penning

BUY FOR ME

E-mail Preview

Would you please buy this awesome piece for me dear? :)

SHOP NOW

Design Options

E-mail Settings

X